6) Museumspraxis – vor und hinter den Kulissen

Kulturpolitischer Kontext

Hauser-Schäublin (2020: 16) weist darauf hin, dass die unterschiedliche Bewertung der Ausstellung auf Hawai‘i auch vor dem Hintergrund kulturpolitischer Fraktions-Bildung verstanden werden muss. Laut Jolly (2017: 91f.) waren La’akea Suganuma und andere Berater*innen, deren Expertise maßgeblich in die Ausstellung einfloss, mit anderen Hawai‘ier*innen in einen Disput um den korrekten Umgang mit heiligen hawai‘ischen Objekten involviert. Deshalb empfanden einige Hawai’ier*innen die starke Beteiligung der ausgewählten kulturellen Berater*innen als unsensibel und provokativ und entschieden sich dafür der Eröffnungszeremonie sowie der Ausstellung fernzubleiben. Die Life of the Pacific in the 1700s-Ausstellung fand also zu einem Zeitpunkt statt, der von kulturpolitischen Ereignissen gekennzeichnet war, bei denen unterschiedliche Stimmen und divergierende Interessen miteinander stritten. Wie Hauser-Schäublin feststellt, existiert keine einheitliche hawai‘ische Perspektive dazu, wie materielles Kulturgut behandelt werden sollte und wer die entsprechenden Entscheidungen hierzu fällen darf (Hauser-Schäublin 2020: 13). Dies wird auch an der unterschiedlichen Bewertung dazu deutlich, wie Kū präsentiert wurde.