6) Museumspraxis – vor und hinter den Kulissen
Ausstellungsgestaltung
Die hawai‘ische Ausstellung präsentierte viele Artefakte in Glasvitrinen, die mit hellblauem Grund ausgekleidet worden waren, der den Pazifik repräsentieren sollte. Die Artefakte wurden nicht nach Herkunftsregion, sondern nach Objektart sortiert ausgestellt, um ozeanische Verbindungen und kulturelle Ähnlichkeiten zu betonen. Durch einen Verzicht auf erklärende Beschreibungen sollte das Augenmerk der Besucher*innen auf die Artefakte selbst gelenkt werden. Diese Art der Repräsentation hatte neben den genannten Vorteilen auch Nachteile: Pazifikinsulaner*innen, die mit der Absicht gekommen waren, sich mit ihrem kulturellen Erbe auseinanderzusetzen, erhielten keine kontextualisierenden Informationen, die über die Bedeutung oder Nutzung des Artefakts in seinem ursprünglichen Kontext Aufschluss gegeben hätten. Lediglich der Name, Herkunftsort und Inventarnummer waren auf einem Schild zu finden. Während einige Besucher*innen diese textfreie kuratorische Strategie begrüßten, führte sie bei anderen zu Frustrationen (Jolly 2017: 86).
![]() | ![]() Zwei Beispiele für die minimalistische Ausstellungsgestaltung (Fotos: W. Kempf 2006) | |

