6) Museumspraxis – vor und hinter den Kulissen
Kū als Ausstellungsobjekt (2)
In der Dauerausstellung der Ethnologischen Sammlung in Göttingen war bis zu ihrer vorläufigen Schließung ein Raum den Objekten der „Cook/Forster-Sammlung“ aus Polynesien gewidmet. Innerhalb dieses Raumes waren die Artefakte geografisch angeordnet. Kū war hier in einer Vitrine zu sehen, die Objekte zeigte, welche auf der 3. Cook‘schen Reise 1778/79 in Hawai’i erworben worden waren.
In Hawai’i selbst wurde Kū in der Honolulu Academy of Arts in einer eigenen Vitrine erhöht im Raum präsentiert, so dass Besuchende zu ihm aufblicken mussten. Der religiöse Aspekt Kūs wurde hier in den Mittelpunkt gerückt. Das Podest war aus hawai‘ischem Vulkangestein gefertigt worden. Am Fuß des Podests wurden von Besucher*innen während der Ausstellungslaufzeit Opfergaben abgelegt.
Im National Museum of Australia in Canberra wiederum stand Kū zwar ähnlich wie in Honolulu in einer einzelnen Vitrine, doch war diese im Vergleich zu anderen Vitrinen nicht erhöht. Thematisch war die Präsentation dem Bereich Waffentechnik zugeordnet, so dass die kriegerischen Aspekte besondere Betonung fanden.
In der Fondation Beyeler in Basel trat der Kunstaspekt in den Vordergrund. Gegenstände der klassischen Moderne wurden gemeinsam mit Artefakten aus Afrika und Ozeanien präsentiert. Der Verzicht auf eine ausführliche kulturelle Kontextualisierung in den Ausstellungsräumen sollte das Objekt explizit als Kunstwerk in den Fokus der Besuchenden heben.
Die Intention der Ausstellung im Linden-Museum in Stuttgart war es, Kunst, Kultur und Geschichte der indigenen Hawaiier*innen in einer Ausstellung in den Mittelpunkt zu stellen. Kū wurde im Zentrum des Raumes gezeigt, in dem thematisch der prächtige hawai’ische Federschmuck im Mittelpunkt stand, seine Herstellung und kulturelle Bedeutung, aber auch der zeremonielle Geschenkeaustausch zwischen Hawaiiern und Europäern während der ersten Begegnungen.
Die Ausstellung, die 2006 in Honolulu zu sehen war, soll im Folgenden etwas ausführlicher vorgestellt werden. Dabei werden wir den Blick sowohl auf die Vorbereitungen, die Ausstellungskonzeption und -gestaltung, die kulturelle und soziale Einbettung als auch auf unterschiedliche Reaktionen auf die Ausstellung richten.