6) Museumspraxis – vor und hinter den Kulissen
Präsentieren und Repräsentieren (1)
Über die Anordnung von Objekten im Raum und ihre Verbindung mit weiteren Elementen – wie Texten, aber auch beispielsweise Licht, Sound, Farbgestaltung, offene oder in Vitrinen geschützte Präsentation – kreieren Ausstellungsmacher*innen Atmosphäre und Bedeutungen. Dabei bildet die Ausstellung die Welt, von der sie spricht, nicht spiegelbildlich ab. Stattdessen konstruieren die Kurator*innen über den gezielten Einsatz der genannten Elemente das, was sie vermitteln wollen.
Analytisch lassen sich hierbei verschiedene Ebenen unterscheiden. Gegenstände werden in Ausstellungen präsentiert, das heißt sie werden gezeigt und stehen – wie das „Werk“ unter den oben genannten „Museumsdingen“ – für sich selbst. Doch können sie darüber hinaus auch etwas re-präsentieren. Das heißt, sie verweisen auf etwas jenseits von sich selbst – beispielsweise eine Gesellschaft, einen Zeitabschnitt, eine Person, kulturelle Vorstellungen, einen historischen Zusammenhang, eine Idee. Repräsentation kann sowohl die „Vergegenwärtigung von Abwesendem“ als auch einfach „Vertretung/Stellvertretung“ bedeuten. Das Museum gilt dabei als „Repräsentationsagentur par excellence“ (Baur 2015: 96).
Eine weitere Differenzierung findet sich bei Henrietta Lidchi. Sie unterscheidet zwischen „Repräsentation“ (im Singular), womit sie die Aktivität bzw. den Prozess des Repräsentierens bezeichnet, sowie „Repräsentationen“ (im Plural) als Produkt bzw. Ergebnis dieses Vorgangs. Zudem betont sie, dass der Aspekt der Bedeutungsgenerierung durch die Auswahl und Anordnung von Objekten kein neutraler Vorgang ist, sondern stets politisch konnotiert. Sie spricht von den Poetics (der Bedeutungskonstruktion) und den Politics (dem Machtaspekt) von Ausstellungen. Damit verweist sie auf zwei wichtige Ansatzpunkte für eine kritische Auseinandersetzung mit musealen (Re-)Präsentationsweisen:
The first uses the insights from semiotics and the manner in which language constructs and conveys meaning to analyse the diversity of ways in which exhibitions create representations of other cultures. By considering how meanings are constructed and produced, this critique concerns itself primarily with the semiotics or poetics of exhibiting. The second critique forefronts questions of discourse and power to interrogate the historical nature of museums and collecting. It argues that there is a link between the rise of ethnographic museums and the expansion of Western nations. By exploring the link between knowledge of other cultures and the imperial nations, this critique considers representation in the light of the politics of exhibiting (Lidchi 1998: 153, kursiv im Original).