6) Museumspraxis – vor und hinter den Kulissen

Verändert das Ausgestelltsein unsere Wahrnehmung? (2)

Die Ausstellung, von der Sie Bilder gesehen haben, ergab sich jeden Tag neu. Das Projekt bestand aus leeren Vitrinen, in die die Besucher*innen während des Aufenthalts ihre mitgebrachten Utensilien – Mäntel, Mützen, Taschen – hängen oder legen sollten. Die Vitrinen ließen sich absperren und dienten als Garderobe. Später kommende Besucher*innen sahen als erstes somit Dinge, die denjenigen Besucher*innen gehörten, die bereits da waren. Diese hatten die Gegenstände in den Vitrinen arrangiert. Für die Zeit ihres Aufenthalts im Museum wurden sie zu Ausstellungsstücken.

Barbara Holzer erklärt diese Idee unter anderem wie folgt:

Das Spannende war, dass wir die Vitrine, die in aller Regel drinnen im Museum ist, herausgeholt und dem Besucher gegeben haben, damit er seine eigenen Habseligkeiten ausstellen kann. Wir haben damit versucht, dem Publikum zu zeigen, dass es selbst mit dem eigenen Leben im Heute Teil eines großen geschichtlichen Bogens ist. Vielleicht stellt sich der Besucher die Fragen: Was bleibt von heute übrig und wie wird man morgen unsere eigene Kultur kommunizieren? Kann man das Individuum in den Vitrinen noch erkennen? Welche Dinge geben uns heute noch Auskunft über die verschiedenen Kulturen? Das auszustellen und einen Prozess des Denkens anzuregen, trieb uns an.

Zu den Zielen des Ausstellungsexperiments zählte Holzer:
 

Eigentlich geht es in unserer Arbeit um die Auseinandersetzung des Besuchers mit sich selbst. Wir wollten ihn auf subtile Art auf die Fragestellung ‚Wie werden Kulturen im Museum ausgestellt?‘ vorbereiten und für die Sammlungspräsentation im Museum selber sensibilisieren.

Aufgabe:
Betrachten Sie die Fotografien erneut. Schauen Sie anders auf diese Vitrinen – erzielen diese bei Ihnen eine andere Wahrnehmung – nachdem Sie die zusätzlichen Informationen erhalten haben? Falls ja, inwiefern?