Am 15. Oktober 2020 wurden zwei tätowierte und mummifizierte Māori-Schädel, die die Universität Göttingen vom britischen Königshaus 1834 erhalten hatte, in einer feierlichen Zeremonie an Māori-Vertreter*innen und das Te Papa Tongarewa-Museum in Wellington übergeben. Seit 1934 zählten die beiden Schädel zum Bestand der Ethnologischen Sammlung, inventarisiert als „Kopftrophäen“ der Māori.
Die Repatriierungszeremonie in Begleitung von Hinemoana Baker (Mitte) und Te Arikirangi Mamaku-Ironside (rechts)
(Foto: H. Haase 2020)
Die vorhandenen Dokumente zur Provenienz der beiden Toi moko wurden vom ehemaligen Kustos der Ethnologischen Sammlung, Gundolf Krüger (2013), aufgearbeitet. Das Museum in Wellington hatte Krüger zudem über die Existenz der Toi moko in Göttingen informiert. Manche Angaben, beispielsweise wie die Köpfe von Neuseeland nach Europa gelangt sind, ließen sich nicht rekonstruieren. Vermittelt über einen neuseeländischen Kollegen wurden die vorhandenen Informationen 2019 erneut an die zuständigen Personen in Neuseeland Aotearoa weitergeleitet, was zu einer Repatriierungsanfrage führte. Diese wurde zunächst am Institut für Ethnologie diskutiert. Im Anschluss empfahlen die zuständigen Göttinger Ethnolog*innen der Universitätsleitung der Repatriierung zuzustimmen. Das Präsidium der Universität fasste daraufhin einen entsprechenden Beschluss. Im Anschluss leiteten die am Te Papa Tongarewa-Museum verantwortlichen Personen – der vom Neuseeländischen Staat für Repatriierungsaufgaben autorisierten Institution – gemeinsam mit der Leitung der Ethnologischen Sammlung die notwendigen bürokratischen und rituellen Abläufe für die Rückgabe ein. „Dies sind keine Objekte, sondern unsere heiligen Vorfahren (tūpuna). Wir können sie jetzt nach Hause bringen, wo sie hingehören", erklärte Arapata Tamati Hakiwai, māorischer Ko-Leiter des Te Papa, wie das neuseeländische Nationalmuseum auch genannt wird. Dieses organisiert seit 2003 im Rahmen des staatlich geförderten Karanga Aotearoa-Programms die Rückholung menschlicher Überreste von Māori und Moriori, die sich außerhalb Neuseelands befinden. Bis zum Jahr 2020 konnten auf diese Weise bereits mehr als 600 Vorfahren zurückgebracht werden.