5) Sensible Objekte – menschliche Überreste in ethnologischen Sammlungen

Nyaura (1)

Sepik Fluss (Papua-Neuguinea)

Männer des Yak- und Possuko-Klans in Timbunmeli betrachten Fotos von Sepik-Objekten, die sich in Göttingen befinden (Foto: C. Falck 2018)

Im Sommer 2018 befragte Christiane Falck auf Bitte des Kustos der Göttinger Ethnologischen Sammlung, Michael Kraus, während eines Feldforschungsaufenthaltes in Papua-Neuguinea Menschen aus den Nyaura (West-Iatmul)-Dörfern Timbunmeli, Arinjon und Kandingei am mittleren Sepik zu Objekten vom Sepik-Fluss, die in der Göttinger Ethnologischen Sammlung aufbewahrt werden. Michael Kraus bat darum, in Erfahrung zu bringen, welche Bedeutung und Relevanz die Gegenstände heute im Leben von Menschen aus der Sepik-Region haben. Was weiß man über die Objekte? Möchte man diese zurück nach Papua-Neuguinea oder an den Sepik haben? Was sagen sie zu der Möglichkeit, dass diese Dinge in Göttingen ausgestellt werden? Christiane Falck nahm Fotos von Sepik-Objekten mit, darunter auch von Artefakten mit menschlichen Überresten.
Die Gespräche mit Vertreterinnen und Vertretern der Nyaura ergaben, dass die Aufbewahrung und auch eine Ausstellung der materiellen Kulturgüter vom Sepik in der Göttinger Ethnologischen Sammlung als unproblematisch bewertet wird. Dies gilt auch für Artefakte, die menschliche Überreste beinhalten. Insbesondere die jüngere Generation zeigte kaum Interesse an den Artefakten und ein Gesprächspartner betonte, dass diese keinen Nutzen (nogat use) und keinen Wert (nogat value) für das eigene Leben hätten. Dass die Gegenstände der Vergangenheit angehörten und heute keine Verwendung mehr finden, wurde auch von anderen Gesprächspartnerinnen und -partnern betont.