5) Sensible Objekte – menschliche Überreste in ethnologischen Sammlungen
Beispiele
Menschliche Überreste werden nach dem Tod je nach Kultur und Glaubensrichtung auf sehr unterschiedliche Weise behandelt. Auch wenn es hier feste Überzeugungen gibt, was die richtige Vorgehensweise ist, so sind diese Überzeugungen stets auf bestimmte Personenkreise beschränkt. Eine global einheitliche Auffassung existiert nicht.
Vertreterinnen und Vertreter der indigenen Bevölkerung aus Hawai’i beispielsweise betonten im Rahmen einer Repatriierungszeremonie an der Universität Göttingen im Jahr 2022 die Notwendigkeit der Rückgabe von ancestral human remains als Zeichen des Respekts gegenüber den Menschen in Hawai’i, als Beitrag zur Überwindung der Folgen von Kolonialverbrechen und der mit ihnen verbundenen Dehumanisierung und Objektifizierung von als Ahnen betrachteter menschlicher Überreste.
Würdenträger des tibetischen Buddhismus, wo Gegenstände, die unter anderem aus menschlichen Knochen gefertigt werden – wie Trommeln, Schalen, Trompeten oder Schürzen – in Ritualen Verwendung finden, vertraten hingegen eine andere Auffassung. Knochen werden von ihnen nicht als Ahnen, sondern als Symbole der Vergänglichkeit und Unbeständigkeit aufgefasst. Sie besitzen keinen Subjektcharakter, doch bilden sie materielle Gefäße, die mit spiritueller Energie aufgeladen sein können. In den Interviews, die Karina Jäschke für ihre Masterarbeit Zur Bedeutung kulturell bearbeiteter Human Remains aus Tibet innerhalb aktueller Debatten über Provenienzforschung. Eine Betrachtung am Beispiel von Tibetica der Ethnologischen Sammlung Göttingen mit drei religiösen Experten führte, sahen diese nicht nur die Bewahrung, sondern auch die Ausstellung entsprechender Objekte in einem Museum als unproblematisch an. Wichtig sei die richtige Präsentation der Gegenstände sowie angemessene Informationen über die tibetische Kultur. Das Betrachten der Objekte könne – auch Museumsbesucher*innen – sogar Glück bringen.
Im Folgenden, werden Stimmen aus Papua-Neuguinea und Aotearoa/Neuseeland vorgestellt, die unterschiedliche Positionen zur Repatriierung von Artefakten, die menschliche Überreste enthalten, vertreten.