5) Sensible Objekte – menschliche Überreste in ethnologischen Sammlungen

Restitution und Repatriierung

Die Begriffe Restitution und Repatriierung werden im allgemeinen Sprachgebrauch oftmals synonym im Sinne von Rückgabe gebraucht. Die unterschiedlichen Begrifflichkeiten setzen aber unterschiedliche Schwerpunkte. Während Restitution eine Rückgabe an Personen, Gemeinschaften oder Institutionen meint, betont der Begriff Repatriierung eine Rückführung in das Herkunftsland.
Nach Becker, Schmitz und Stoll (2014: 3) handelt es sich bei Restitutionsgütern „um Gegenstände, die dem rechtmäßigen Eigentümer durch Plünderung, Raub oder hoheitlich-staatliche Maßnahmen, insbesondere im Zusammenhang mit politischen Zwangslagen, abhanden gekommen sind.“ Der Begriff Restitution betont also die aus heutiger Sicht unrechtmäßige Aneignung eines Objekts. Restitution ist „ein im Völkerrecht gebräuchlicher Terminus und meint nach allgemeiner Definition die ‚Wiederherstellung‘ oder ‚Wiedergutmachung‘ für einen Schaden, der einem Staat durch einen anderen zugefügt worden ist“ (Pupeter 2021). Ellen Pupeter schreibt weiter „Die Wendung Restitution von Kulturgütern aus kolonialen Kontexten impliziert also, dass es sich bei der einstmaligen Kulturgutverlagerung während des Kolonialismus um einen wiedergutzumachenden Schaden für begangenes Unrecht handelt“ (Pupeter 2021). Während der Restitutionsbegriff von seinem Ursprungskontext Rückgabe als Akt der Wiedergutmachung einer unrechtmäßigen Aneignung impliziert, betont der Repatriierungsbegriff weniger rechtliche, sondern vielmehr ethische Aspekte (Bienkowski, in Müller 2021b: 10).
Repatriierung weist je nach Kontext ein sehr weites Bedeutungsspektrum auf. Die Zurückholung und Zurückbringung von Kriegs- oder Zivilgefangenen kann damit ebenso gemeint sein wie die Heimbringung von erkrankten oder verletzten Personen aus dem Ausland. Auch bei der Wiedererlangung von aberkannten Staatsbürgerrechten oder dem Transfer von Unternehmensgewinnen findet der Begriff Verwendung.
Im Museumskontext wird Repatriierung oftmals für die Rückgabe von menschlichen Überresten verwendet (z.B. Gram/Schoofs 2022: 7). Winkelmann wirft einen kritischen Blick auf die Terminologie und ihre potentiell unterschiedliche Wirkung in spezifischen nationalen Kontexten:

[T]he commonly used term ‚repatriation‘ has its flaws. It is based on the concept of ‘patria’, fatherland, i.e. a male concept that excludes, as it were, ‘rematriation’. Moreover, it may have a negative, chauvinist ring to it, at least in Germany where patriotism is historically connected to the initiation of two world wars […] On the other hand, ‘repatriation’ does allude to a common motivation for requests to have human remains returned ‘home’, that is, the special connection of people to their native land. The term ‘restitution’, on the other hand, has the disadvantage that it may suggest going back to a previous state of things, i.e. to change the past – something that is simply not possible (Winkelmann 2020: 40).