5) Sensible Objekte – menschliche Überreste in ethnologischen Sammlungen
Eine frühe Rückgabe
Rückgabeforderungen von Objekten sowie menschlichen Überresten sind kein neues Phänomen (siehe Müller 2021b). Ein berühmtes Beispiel findet sich 1919 im Vertrag von Versailles. Dieser Vertrag, der völkerrechtlich den ersten Weltkrieg beendete, beinhaltet auch die Festlegung, dass das Deutsche Reich den Schädel von Mkwawa abzugeben habe. Mkwawa, Anführer der Hehe, hatte mit seinen Leuten über viele Jahre erbitterten Widerstand gegen die deutsche Kolonialherrschaft im damaligen „Deutsch-Ostafrika“ geleistet. Um einer Gefangennahme durch die Deutschen zu entgehen, beginn er 1898 Suizid. Der Leichnam Mkwawas wurde vom Militär enthauptet und der Schädel mitgenommen. Gemäß einer der überlieferten Darstellungen, die allerdings umstritten ist (siehe Brockmeyer, Edward, Stoecker 2020), wurde der Schädel schließlich nach Deutschland verbracht.
Die Initiative zur Herausgabe des Schädels ging gut zwanzig Jahre nach Mkwawas Tod nicht von der Herkunftsgesellschaft aus, sondern spiegelte weiterhin europäische Kolonialinteressen wider. Laut dem Versailler Vertrag sollte der Schädel von Deutschland an Vertreter Großbritanniens gegeben werden. Diese wollten ihn ihrerseits an die Hehe zurückgeben. “[T]he restitution had local and international dimensions related to WWI [World War I] and to the British desire to continue exploiting the Hehe politically and militarily within the British Empire” (ebd.: 118). | ![]() Das Mkwawa Memorial Museum in Kalenga, Tansania (Foto: H. Stoecker) |
