4) Provenienzforschung und koloniale Kontexte. Beispiele, Begriffe, Debatten
Provenienzforschung
Die in ethnologischen Museen vorhandenen Bestände sind sehr unterschiedlich dokumentiert. Während in manchen Fällen ausführliche schriftliche Dokumente über die Bedeutung der Objekte, ihre Hersteller sowie die jeweilige Erwerbsform existieren, kann in anderen Fällen lediglich eine Information zur regionalen oder ethnischen Zuordnung vorliegen. Manchmal fehlen selbst solche Basisdaten.
Mittels „Provenienzforschung“ wird versucht, sich über die Herkunft (Provenienz), mögliche Vorbesitzer*innen und vor allem auch über Formen des Besitzwechsels von Museumsgut Klarheit zu verschaffen. Provenienzforschung ist dabei nicht auf Objekte beschränkt, die aus gewaltbesetzten Kontexten stammen. Sie findet idealerweise für jedes Objekt im Museum statt. Es ist immer von Belang zu wissen, von wo, durch wen und auf welche Weise Dinge an ihren derzeitigen Ort gelangt sind und welche Bedeutungsveränderungen mit einem Orts- und Besitzwechsel verbunden waren. Doch bekommt Provenienzforschung bei Objekten aus kolonialen oder anderen Gewaltkontexten noch einmal eine besondere politische und ethische Relevanz.
Auch in der Ethnologischen Sammlung in Göttingen gibt es Gegenstände, die vor vielen Jahrzehnten eingingen, zu denen jedoch kaum weitere Informationen mitgeliefert wurden. Zu Übungszwecken finden Sie im Folgenden vier alte Karteikarten - deren Informationen mittlerweile natürlich auch in die vorhandenen Datenbanken übertragen wurden - abgebildet.
Aufgabe:
Betrachten Sie die vier Karteikarten, notieren Sie, welche Informationen darauf verzeichnet sind und überlegen Sie, auf welche Weise man mehr Informationen über den inventarisierten Gegenstand recherchieren könnte?