Show Advanced KnowledgeHide Advanced KnowledgeKoloniale Nachwirkungen
Die Geschichte Deutschlands als Kolonialmacht wurde in Deutschland selbst lange Zeit vergleichsweise wenig thematisiert. Dies hat sich mittlerweile geändert. Das koloniale Erbe erstreckt sich dabei auf zahlreiche Aspekte, die uns alle in unserem Alltag betreffen. Machen sich öffentliche Debatten oft an sichtbaren Formen der Erinnerungskultur fest – wie Straßennamen oder Denkmälern – so sind auch andere Bereiche, wie Besitzverhältnisse – beispielsweise Landbesitz in ehemals kolonisierten Ländern – Produktionsformen, Lieferketten sowie unser aller Konsumverhalten auf das Engste mit dem kolonialen Erbe sowie aktuellen Ausbeutungsformen verstrickt. Niemand ist hiervon unberührt. Massive asymmetrische Machtverhältnisse sind auf unserer Welt auch in ‚postkolonialen Zeiten' charakteristisch.
Auch öffentliche Institutionen wie Museen, Universitäten und ihre Sammlungen sind in diese Zusammenhänge verstrickt. Wie sehr beispielsweise eine Universität in das Kolonialgeschehen verflochten sein konnte, hat am Beispiel Göttingen ein Projekt am Lehrstuhl von Rebekka Habermas aufgezeigt.
Ethnologische Sammlungen und Museum wiederum stehen seit geraumer Zeit in der Kritik, in großem Maße Bestände aus kolonialen Kontexten zu besitzen. Sammlungen stehen in der Pflicht, Erwerbsformen zu dokumentieren bzw. aufzuarbeiten und transparent zu machen. Für die Aufarbeitung spielen eine Vielzahl von Argumenten und Betrachtungsebenen – politisch, ethisch, kulturell, historisch, juristisch – eine Rolle. Forschungsansätze zu Objektbiografien, wie in Lehreinheit 3 aufgezeigt, können helfen, Besitzwechsel und Aneignungsformen genauer zu beleuchten. Auf der Homepage des niedersächsischen Provenienzforschungsverbundes PAESE findet sich zahlreiche Projekte aufgeführt, die entsprechende Forschungen, oft international und kooperativ, ausführen. | | |