3) Objektbiografien und Wirkmächtigkeit von Dingen
Kalkbehälter
Sepik (Papua-Neuguinea)
Schauen Sie sich die verzierten Behälter der Iatmul vom mittleren Sepik in Papua-Neuguinea an, die wir in unserer Sammlung haben. Es sind Kalkbehälter, in denen Muschelkalk aufbewahrt wurde, der für das Kauen von Betelnüssen verwendet wird. Bevor Plastikbehälter die Behälter aus natürlichem Material ersetzten, war ein Kalkbehälter ein wichtiger Index der Person seines Besitzers und kann als Objektifizierung seiner Person verstanden werden.
![]() Oz 4116 a-b, ESG / H. Haase |
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Die distinktive Dekoration verband den Kalkbehälter mit seinem Besitzer. Zu jedem Kalkbehälter gehörte ein Kalkspatel, der ebenfalls reich dekoriert war. Wenn der Besitzer des Kalkbehälters während rednerischer Performanzen mit dem Kalkspatel in seinem Behälter rasselte, drückte das erzeugte Geräusch für alle Anwesenden hörbar seine Zustimmung zu dem Gesagten aus und verlieh diesem mehr Gewicht.
Iatmul-Gesellschaften sind neben Geschlecht auch nach Alter und Status differenziert. Das Wort eines älteren Mannes wiegt mehr in öffentlichen Verhandlungen als das Wort eines jungen Mannes. Ein Mann kann aber durch persönliche Qualifikationen zu Ansehen kommen und z.B. als Heiler, Schamane oder, in früheren Zeiten, als Krieger oder Kopfjäger Status erreichen.
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Die Verzierung des Kalkspatels gibt Hinweise auf den Status seines Besitzers – die Anzahl der Anhänger, die am Spachtel angebracht sind, repräsentiert die Anzahl der Köpfe, die der Besitzer als erfolgreicher Kopfjäger erbeutet hatte. Je mehr Dekoration an dem Kalkspatel angebracht war, desto hörbarer waren die Geräusche, die beim Rasseln mit dem Kalkbehälter erzeugt werden konnten. Der Kalkbehälter ist ein Index der persönlichen Handlungsfähigkeit seines Besitzers – ein Mann, der viele Köpfe erbeuten konnte, konnte viel Dekoration an seinem Kalkspatel anbringen, welche wiederum seinen hohen Status hörbare Beachtung verschaffte und seine Zustimmung bei Rededuellen für jedermann hörbar ausdrücken konnte.
Ethnologische Sammlung Göttingen (ESG)
Staatliche Museen zu Berlin (SMB)
Ethnologisches Museum Berlin (EM)


