3) Objektbiografien und Wirkmächtigkeit von Dingen
Igor Kopytoff
Biographies of things can make salient what might otherwise remain obscure. (Kopytoff 1986: 67)
Igor Kopytoff stellt in seinem Beitrag zu Appadurais Sammelband die ‚kulturelle Biographie‘ von Dingen als Methode vor. Damit hat er den objektbiografischen Ansatz maßgeblich begründet. So wie man das Leben einer Person als eine Abfolge von Entwicklungen und Erlebnissen studieren kann, die den Charakter und ihr Selbst formen und Teil ihrer Lebensgeschichte werden, so könne man sich, laut Kopytoff, auch einem Ding nähern. Sowohl Appadurai als auch Kopytoff setzen in ihrer Auseinandersetzung einen Schwerpunkt auf Waren, deren Warencharakter sie als situativ und kontextgebunden und damit als wandelbar verstehen. Dinge sind nach diesem Verständnis keine statischen Entitäten, sondern verändern sich im Laufe der Zeit durch ihre Integration in unterschiedliche Kontexte, in denen sie unterschiedliche Funktionen und Bedeutungen haben können. Sie haben eine eigene Geschichte.
Indem man die unterschiedlichen Stationen ihres dinglichen Lebens studiert, erfährt man mehr über sie und über die kulturellen, ökonomischen, religiösen und politischen Kontexte, in denen sie sich im Laufe ihres Lebens bewegen. Eine Ressource kann zu einem Gegenstand werden, der zu einer Ware wird, welche wiederum als ein Geschenk oder ein Erbstück weitergegeben werden kann, das als Erinnerung an einen lieben Menschen wertgeschätzt und aufbewahrt wird. Die Vorgeschichte eines Objektes kann entscheidend für seine Wertschätzung sein. Aber auch die kulturelle Logik des Kontexts, in den ein Ding eintritt, ist bestimmend: Während ein Ding in einem kulturellen Kontext ein Alltagsgegenstand sein kann, kann es in einem anderen als Schmuck, als Statusobjekt, als Kunstwerk oder Museumsobjekt, als religiöses Objekt oder gar als Person Karriere machen.