2) Die Ethnologische Sammlung Göttingen – Speichermedien und Recherchetools

Chancen und Fallstricke der Digitalisierung

Die Digitalisierung ethnologischer Sammlungen bietet große Chancen hinsichtlich der Zugänglichkeit der vorhandenen Objekte und Daten. Doch sind Speichermedien keine „neutralen“ Wissensspeicher. Die verwendete Terminologie und Struktur kann sich sowohl auf die Konstruktion als auch auf die Wahrnehmung der vorhandenen Informationen auswirken. Die ausgewählten Beispiele sollten zeigen, dass auch modernste Speichersysteme nicht unkritisch verwendet werden können. Mit jedem Fortschritt können neue Komplikationen verbunden sein. So wie in einem Museum nicht nur „Objekte“ (siehe Lehreinheit 1) oder Ausstellungen, also bedeutungsgenerierende Objektpräsentationen (siehe Lehreinheit 6), Gegenstand der Untersuchung sein können, sondern auch der Einfluss der bewahrenden und ausstellenden Institution selbst (Museum/Sammlung) mit in den Blick genommen werden muss, so sind auch bei Datenbanken und anderen Speichersystemen die bedeutungsgenerierenden Auswirkungen der vorgegebenen, systemimmanenten Strukturen zu reflektieren.

Mittlerweile existieren zahlreiche Arbeitskreise, die sich mit diesen Fragen auseinandersetzen und sich um Verbesserungen und neue Standards bemühen. Eine dieser Arbeitsgruppen bereitet die Neugestaltung des Portals zu Sammlungsobjekten aus kolonialen Kontexten der Deutschen Digitalen Bibliothek im Rahmen der 3-Wege-Strategie des Bundes und der Länder vor. Hier ist über das niedersächsische Provenienzforschungsprojekt PAESE auch die Ethnologische Sammlung der Universität Göttingen involviert.

Im abschließenden Videoclip erzählt Josefine Neef, die für die Ethnologische Sammlung in Göttingen im Rahmen von zwei vom Deutschen Zentrum Kulturgutverluste finanzierten Projekten Objekte australischer Aborigines bearbeitet hat, von ihren Erfahrungen mit Digitalisierung und Datenbanken. Die großen Vorteile kommen dabei ebenso zur Sprache wie die Problematik nur scheinbar eindeutiger Kategorisierungen, wie beispielsweise die Zuschreibung „heilig“.

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