2) Die Ethnologische Sammlung Göttingen – Speichermedien und Recherchetools

Ethnonyme und Georeferenzen

Nicht nur die angemessene Benennung des Feldes für eine ethnische Zuordnung kann uneindeutig sein. Auch die ethnischen Bezeichnungen selbst sind keineswegs immer gesichert. Nicht selten haben sich im Laufe der Zeit Fremdbezeichnungen für bestimmte Gruppen festgesetzt, die auf den ersten Blick nicht immer leicht als solche zu erkennen sein müssen. So wurden die Selk'nam in der älteren Literatur beispielsweise als „Ona“ bezeichnet – ein Begriff, der aus der Sprache der Yagan, einer benachbarten Ethnie, stammt und "Menschen aus dem Norden" bedeutet. Der Begriff, mit dem Vertreterinnen und Vertreter dieses Volkes sich selbst bezeichnen und mit dem sie bezeichnet werden möchten, ist hingegen "Selk'nam".

Neben der Frage nach der korrekten Eigenbezeichnung gibt es weitere Aspekte, die es sich bewusst zu machen gilt. Auch die geografische Zuordnung ist keineswegs selbstverständlich. Die Selk’nam leben im äußersten Süden Südamerikas, in einer Region, die seit dem 16. Jahrhundert von Europäern mit der Fremdbezeichnung „Feuerland“ versehen wurde und sich heute auf zwei Nationalstaaten – Chile und Argentinien – verteilt, die von den Selk’nam nicht gegründet wurden und in denen sie zu den marginalisierten Bevölkerungsgruppen zählen. Das Objekt, das für die Ethnologische Sammlung im Jahr 2022 von der Selk’nam-Korbflechterin Margarita Maldonado angekauft wurde, stammt sowohl von den Selk’nam bzw. einer ihrer Vertreterinnen als auch aus Argentinien. Frühere Objekte stammen allerdings aus einer Zeit, in der es zwar die Selk’nam, nicht aber den erst seit 1818 unabhängigen Nationalstaat Argentinien gab.

Historisch lassen sich die jeweiligen Veränderungen, Okkupationen und Gebietsansprüche nachverfolgen und entsprechend in Frei- oder Unterfelder von Datenbanken eintragen. Im vorgesehenen Hauptfeld ist in den meisten Datenbanken jedoch eine eindeutige Zuordnung vorgesehen. Die Ausspielung von „Georeferenzen“, also der genauen Lage im Raum, die gerade bei Online-Ausspielungen mit Datenbanken verbunden sein kann, verweist somit zwar geografisch korrekt auf eine bestimmte räumliche Position, doch muss die auf ein politisches Konstrukt wie einen Nationalstaat verweisende Bezeichnung keineswegs adäquat sein. Bei vielen Objekten, bei denen in vorhandenen Verzeichnissen Angaben wie „Papua-Neuguinea“, „Argentinien“ oder „Tansania“ vermerkt sind, handelt es sich tatsächlich um Gegenstände, die aus Zeiten stammen, zu denen die genannten Nationalstaaten noch nicht existierten. Die Angabe über die Herkunft oder "geopolitische Zugehörigkeit“ eines Gegenstandes sind also auch hier kritisch zu reflektieren.

Halsband aus Schneckenschalen (Am 14), vermutlich Selk'nam, erworben im Rahmen der Weltumsegelungen von James Cook (18. Jahrhundert)
Korb, für die Ethnologische Sammlung hergestellt von der Selk'nam-Korbflechterin Margarita Maldonado, 2022 (Foto: Margarita Maldonado)