2) Die Ethnologische Sammlung Göttingen – Speichermedien und Recherchetools
Ethnonyme und Georeferenzen
Nicht nur die angemessene Benennung des Feldes für eine ethnische Zuordnung kann uneindeutig sein. Auch die ethnischen Bezeichnungen selbst sind keineswegs immer gesichert. Nicht selten haben sich im Laufe der Zeit Fremdbezeichnungen für bestimmte Gruppen festgesetzt, die auf den ersten Blick nicht immer leicht als solche zu erkennen sein müssen. So wurden die Selk'nam in der älteren Literatur beispielsweise als „Ona“ bezeichnet – ein Begriff, der aus der Sprache der Yagan, einer benachbarten Ethnie, stammt und "Menschen aus dem Norden" bedeutet. Der Begriff, mit dem Vertreterinnen und Vertreter dieses Volkes sich selbst bezeichnen und mit dem sie bezeichnet werden möchten, ist hingegen "Selk'nam". Historisch lassen sich die jeweiligen Veränderungen, Okkupationen und Gebietsansprüche nachverfolgen und entsprechend in Frei- oder Unterfelder von Datenbanken eintragen. Im vorgesehenen Hauptfeld ist in den meisten Datenbanken jedoch eine eindeutige Zuordnung vorgesehen. Die Ausspielung von „Georeferenzen“, also der genauen Lage im Raum, die gerade bei Online-Ausspielungen mit Datenbanken verbunden sein kann, verweist somit zwar geografisch korrekt auf eine bestimmte räumliche Position, doch muss die auf ein politisches Konstrukt wie einen Nationalstaat verweisende Bezeichnung keineswegs adäquat sein. Bei vielen Objekten, bei denen in vorhandenen Verzeichnissen Angaben wie „Papua-Neuguinea“, „Argentinien“ oder „Tansania“ vermerkt sind, handelt es sich tatsächlich um Gegenstände, die aus Zeiten stammen, zu denen die genannten Nationalstaaten noch nicht existierten. Die Angabe über die Herkunft oder "geopolitische Zugehörigkeit“ eines Gegenstandes sind also auch hier kritisch zu reflektieren. |
![]() Halsband aus Schneckenschalen (Am 14), vermutlich Selk'nam, erworben im Rahmen der Weltumsegelungen von James Cook (18. Jahrhundert) | ![]() Korb, für die Ethnologische Sammlung hergestellt von der Selk'nam-Korbflechterin Margarita Maldonado, 2022 (Foto: Margarita Maldonado) |

