2) Die Ethnologische Sammlung Göttingen – Speichermedien und Recherchetools
Öffentliche vs. nicht-öffentliche Daten
Nicht alle Informationen, die über einen Gegenstand vorliegen, werden öffentlich ausgespielt. Aus Sicherheitsgründen werden beispielsweise weder genaue Standorte noch Versicherungswerte von Objekten veröffentlicht. Doch kann es auch andere Gründe geben, Informationen zurückzuhalten. So wurden auf alten Listen und Karteikarten manchmal Ausdrücke verwendet, die wir heute als diskriminierend bewerten. Hier stehen Museen und Sammlungen vor einem Dilemma. Spielen sie die alten Dokumente aus, können sie sich dem Vorwurf ausgesetzt sehen, rassistische Begrifflichkeiten zu reproduzieren. Spielen sie sie nicht aus, ziehen sie sich möglicherweise den Vorwurf zu, etwas verheimlichen zu wollen. Das Beispiel zeigt, dass es oft keine einfachen und aus jeder Perspektive befriedigenden Lösungen gibt. Sammlungsverantwortliche müssen eine Entscheidung treffen, die in verschiedenen Museen und Sammlungen mit jeweils guter Begründung unterschiedlich ausfallen kann. Die Verantwortlichen der Ethnologischen Sammlung Göttingen haben sich beispielsweise dafür entschieden, alte Karteikarten nicht generell auszuspielen, um die öffentliche Reproduktion rassistischer Begrifflichkeiten zu vermeiden. Intern werden allerdings auch diese Karteikarten aufbewahrt, nicht zuletzt, um historische Forschungen zu ermöglichen. Auch in interne (= nicht öffentlich ausgespielte) Felder von Datenbanken können diese Informationen übertragen werden. Ein anderer Grund für die Nichtveröffentlichung von Informationen kann darin liegen, dass Repräsentant*innen aus Herkunftsländern keine Veröffentlichung bestimmter – beispielsweise als heilig oder kulturell sensibel betrachteter – Gegenstände wünschen (zu "Sensiblen Objekten" siehe Lehreinheit 5). | ![]() Disclaimer aus der Datenbank des niedersächsischen Provenienzforschungsverbundes PAESE. | |
Auch über die Veröffentlichung hochauflösender Fotografien wird debattiert. Verletzen wir unsere Transparenzpflicht, wenn wir keine hochauflösenden Bilder der vorhandenen Objekte online zur Verfügung stellen? Oder verletzten wir mögliche Interessen indigener Gruppen, wenn Bilder ihrer kulturellen Erzeugnisse zunehmend rechtefrei im Internet kursieren und – auch kommerziell – beliebig weiterverwendet werden können? Erneut sind unterschiedliche Entscheidungen möglich – und können bei Vertrerter*innen einer anderen Position auf Kritik stoßen.
Die Verantwortlichen der Ethnologischen Sammlung Göttingen haben sich aktuell dazu entschieden, Bilder niedrigauflösend und mit der Lizenz CC BY-NC-SA 4.0 auszuspielen. Bei Gegenständen, bei denen aus Herkunftskulturen Einwände gegen die Ausspielung bekannt sind, werden keine Bilder, sondern lediglich Metadaten veröffentlicht. So kann über die Existenz eines Objektes informiert werden, ohne bestehende Tabus visueller Zugänglichkeit zu verletzten. Metadaten werden mit der Lizenz CC0 1.0 ausgespielt.
