1) Objektforschung und Bedeutung von Sammlungen und Museen
Museen und universitäre Sammlungen
Auch wenn es Sammlungen von Gegenständen in religiösen, adeligen oder bürgerlichen Kontexten bereits früher gab, so gilt die Eröffnung des British Museum 1753 zumeist als Referenzdatum für die Entstehung moderner, öffentlich zugänglicher Museen. Die Ethnologische Sammlung in Göttingen ging aus dem 1773 an unserer Universität gegründeten Academischen Museum hervor. Eigenständige ethnologische Museen entstanden in Deutschland dann ab dem letzten Drittel des 19. Jahrhunderts.
Über das Academische Museum in Göttingen schrieb der Medizinprofessor Johann Friedrich Blumenbach im Jahr 1779, dass die dort versammelten Objekte „nicht zum Prunck, sondern lediglich zum Gebrauch, zur Untersuchung und zum Unterricht“ dienen. Und weiter:
Göttingen ist die erste Universität in Deutschland, vielleicht in Europa, die mit einem eigentlich akademischen Museum versehen worden; und wir halten uns verpflichtet, von ihm, auch schon als epochemachendem Phänomen, hier einige Nachricht zu ertheilen (Blumenbach 1779: 47f).
Für die Universitätssammlung war neben Forschung und öffentlicher Information somit die Verwendung der vorhandenen Dinge zur Ausbildung von Studierenden von Anfang an entscheidend.
Mittlerweile existieren eine große Anzahl höchst unterschiedlicher Museums- und Sammlungsformen. Das Institut für Museumsforschung, das zur Stiftung Preußischer Kulturbesitz in Berlin gehört, verzeichnete im Jahr 2020 allein für Deutschland 7.120 Museen und 528 Ausstellungshäuser. Auf der Webseite „Wissenschaftliche Sammlungen“ ist wiederum allein für Deutschland von über 1000 objektbezogenen wissenschaftliche Sammlungen an mehr als 75 Universitäten die Rede (Stand 12/2023). Die größten ethnologische Museen in Deutschland befinden sich in Berlin, Frankfurt, Hamburg, Köln, Leipzig/Dresden, München und Stuttgart. Ethnografika befinden sich allerdings auch in vielen kleineren Museen, in ethnologischen Institutionen, Regionalmuseen, Missionsmuseen oder – wie in Bremen und Hannover – in sogenannten „Mehrsparten-Häusern“, die Sammlungen unterschiedlicher disziplinärer Zuordnung besitzen. Ethnologische Lehr- und Forschungssammlungen gibt es in Deutschland neben Göttingen beispielsweise an den Universitäten in Bonn, Frankfurt, Mainz, Marburg und Tübingen. Die größte Universitätssammlung im deutschsprachigen Raum besitzt das Völkerkundemuseum der Universität Zürich. Eine internationale Datenbank zu universitären Sammlungen findet sich auf den Seiten des internationalen Komitees für Universitätsmuseen und -sammlungen (UMAC), das wiederum eine Unterabteilung des Internationalen Museumsrats (ICOM) bildet. In der Fachvereinigung deutschsprachiger Ethnolog*innen, der Deutschen Gesellschaft für Sozial- und Kulturanthropologie (DGSKA), existierten 2023 sowohl eine Arbeitsgruppe „Materielle Kultur“ als auch eine Arbeitsgruppe „Museum“.