Inwiefern Gegenstände auch schwerpunktmäßig Beziehungen zum Ausdruck bringen sowie subjektiven Bedeutungszuschreibungen ausgesetzt sein können, hat Daniel Miller in seinem Buch „The Comfort of Things“ (dt.: Der Trost der Dinge) verdeutlicht. In einer gemeinsam mit Fiona Parrot durchgeführten Studie befragten sie die Bewohner*innen einer Straße im Süden Londons nach den Dingen, die diese in ihren Wohnungen aufbewahren. Es ging ihnen darum zu verstehen, „wie sich die Persönlichkeit und die Lebensverhältnisse eines Menschen in den Dingen widerspiegeln, mit denen er sich innerhalb seiner eigenen vier Wände umgibt, anders gesagt: um die Rolle, die alltägliche Objekte für unser Verhältnis zu uns selbst und unsere Beziehungen zu anderen spielen“ (Miller 2010: 9).
Bei ihren Besuchen stellten Miller und Parrot keine Fragen zum Privatleben ihrer Gesprächspartner*innen. Stattdessen wählten sie den Umweg, über Gegenstände zu reden, um ihren Gesprächspartner*innen näher zu kommen. Dabei zeigte sich unter anderem, wie sehr die vorhandenen Dinge Auskunft über die Beziehungen der Befragten geben. So war der Bewohner einer nahezu leeren Wohnung auch sozial isoliert, während die Fülle von Weihnachtsgeschenken in einem anderen Beispiel keineswegs lediglich auf materialistische Konsuminteressen verwies, sondern die umfassenden sozialen und bewusst und liebevoll gepflegten Netzwerke deutlich machte, in die die Ausrichtenden des Festes eingebunden waren. In einem anderen Beispiel war die Plastikfigur aus einer bekannten Fast Food-Kette nicht lediglich ein Spielzeug für die eigenen Kinder, sondern fungierte für seine Besitzerin als Symbol der Abgrenzung von der eigenen wohlsituierten Herkunft und den damit einhergehenden Verhaltenserwartungen der gesellschaftlichen Schicht, der sie ursprünglich angehörte.
Immer wieder wurde auch die Erinnerungsfunktion der Dinge – an Personen wie an Ereignisse – deutlich. Dass die meisten Haus- und Straßenbewohner*innen sich nicht gegenseitig kannten, erwies sich zudem nicht als Beleg für eine „angeblich aus der Abwesenheit von Gesellschaft entstehende haltlose individualistische Fragmentierung“ (ibid.: 16). Stattdessen versuchte Miller zu zeigen, „daß jeder Mensch seine eigene Ästhetik hervorbringt, die sich im Spektrum seiner diversen Beziehungen abzeichnet“ (ibid.) – was sich wiederum in den Gegenständen, mit denen wir uns umgeben, abbildet. Auch die Dingkultur auf Haushaltsebene, so Miller, zeigt „ein Ordnungssystem“, das sich trotz seiner beschränkten Reichweite nicht generell „von der Kosmologie einer Gesellschaft unterscheidet, sondern wie diese Dinge, Werte und Beziehungen zu einem mehr oder weniger kohärenten Ganzen zusammenfaßt“ (ibid: 217). Aufgabe: Betrachten Sie die Dinge, die Sie mit sich führen bzw. diejenigen in Ihrem eigenen Haushalt. Inwiefern spiegeln sich in diesen Gegenständen „Beziehungen“ wider? Zeigt Ihre Zimmergestaltung eine Form der „Ästhetik“, die Rückschlüsse auf Ihre Person zulässt? | | |