1) Objektforschung und Bedeutung von Sammlungen und Museen
Mobiltelefon
Das Mobiltelefon zählt für die allermeisten von uns zu den Gegenständen, die wir nahezu täglich nutzen. Auch wenn nicht jeder Mensch ein Handy besitzt, so sind diese doch massenhaft über die ganze Welt verbreitet. Das Mobiltelefon verändert dabei nicht nur unsere Lebenswelt, auch Menschen verändern das Mobiltelefon durch die Art und Weise, wie sie es nutzen und mit Bedeutung belegen. Dabei werden Menschen von sozio-kulturellen Prämissen beeinflusst, die Einfluss darauf haben, wie Menschen miteinander, mit Artefakten und ihrer Umwelt interagieren. Interessant ist somit beispielsweise der Blick auf kulturelle Nutzungsformen und lokalspezifische Aneignungen (z.B. de Bruijn et al. 2009; Hahn and Kibora 2008; Horst and Miller 2006; Tenhunen 2008). Während man anfangs davon ausging, dass Mobiltelefonie in einkommensschwachen Regionen, die zuvor keinen Zugang zu neuen Kommunikationstechnologien hatten, ökomische Entwicklungen (z.B. einkommensgenerierende Aktivitäten und Unternehmertum) antreiben könne (siehe z.B. The Economist 2005), zeigten ethnologische Studien, dass oftmals ganz andere Ziele verfolgt werden: So wird das Mobiltelefon auf Jamaica für den Aufbau extensiver sozialer Netze eingesetzt, die u.a. spirituelle und Kirchengemeinschaften zusammenbringen (Horst und Miller 2005; Miller 2006). In Papua-Neuguinea gibt es Menschen, die versuchen über das Mobiltelefon Kontakt mit verstorbenen Verwandten herzustellen (Falck 2016, 2018; Telban and Vávrová 2014).
Seitdem es das Smartphone gibt, eröffnet es Menschen die Möglichkeit das Internet mobil zu nutzen. Ein Resultat ist der Aufstieg der sozialen Medien und ihr Einfluss auf menschliche Lebenswelten. Ein Forschungsteam um den britischen Ethnologen Daniel Miller untersuchte die weltweite Handynutzung, den Umgang mit sozialen Medien und warum Menschen ‚posten‘. Zu den Forschungsergebnissen zählte nicht zuletzt, wie wenig die Antworten auf bestimmte Fragen – beispielweise ob uns soziale Medien mehr oder weniger zu Individualisten werden lassen, ob sie die Privatsphäre erhöhen oder beeinträchtigen, wie sie sich auf Genderfragen auswirken oder unseren Umgang mit Bildern bestimmen – interkulturell verallgemeinerbar sind. Auch hier zeigt sich, dass der jeweilige Kontext für das jeweilige Verhalten und seine Auswirkungen entscheidend ist. Online finden Sie mehr Informationen über das Projekt und seine Forschungsergebnisse.
