Einführung Soziologische Kriminalitätstheorien@CIDAS4u
4 Die Anomietheorie & Labeling-/Ettiketierungstheorie (3/9)
Die Anomietheorie I
![]() von pixabay.com unter CC0 | Die Anomitheorie, vor allem in der Prägung, die sich durch Robert K. Merton erhalten hat, ist im Kern ein funktionalistischer Ansatz, der die stimulierende Wirkung der Sozialstruktur in den Blick nimmt: „Sie (die Sozialstruktur, d. Verf.) schafft neue Motivationen, die sich mit der Annahme natürlicher Triebe des Menschen nicht erklären lassen. Wo immer die Sozialstruktur Handlungen unterdrückt, bringt sie neue hervor. […] Unser Ansatz untersucht […], in welcher Weise die soziale und kulturelle Struktur einen Druck ausübt, sich sozial abweichend zu verhalten.“[1] Merton wendet die – ursprünglich von Emile Durkheim entwickelte Anomietheorie – in der Mitte des 20. Jahrhunderts auf die US-Amerikanische Gesellschaft an, bei der er Kriminalität, anders als Durkheim, nicht mit raschem sozialen Wandel und Modernisierung der Gesellschaft in Verbindung bringt. Vielmehr sieht er die Erklärung für Kriminalität angesichts der recht hohen gesellschaftlichen Stabilität bei gleichzeitig hohen Kriminalitätsraten, die sich insbesondere in den unteren sozialen Schichten konzentrieren, vor allem in der Benachteiligung und Belastung der sozial Schwächeren.[2] |
Merton Sozialstruktur und Anomie, S. 284.
