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Einführung Soziologische Kriminalitätstheorien@CIDAS4u

3 Die Broken-Windows-Theorie (5/8)

von pixabay.com unter CC0

Übertragen auf urbane Räume ließ sich für Wilson/Kelling daraus der Schluss ziehen, dass „städtischer Verfall“ (urban decay), also Kennzeichen für Unordnung in einer Gegend, wie eben zerbrochene Fenster oder Graffiti eine nur geringe (informelle) Sozialkontrolle implizieren und damit die Hemmschwelle für weiteren Vandalismus und auch sonstiges abweichendes Verhalten senken. Das zunehmende abweichende Verhalten, das zumeist von nicht-kriminalisierten Formen wie dem Betteln bis hin zu niedrigschwelliger Kriminalität reicht, erhöhe dann wiederum die Kriminalitätsfurcht der Anwohner*innen, die sich daraufhin zurückziehen und damit tatsächlich die soziale Kontrolle in der Gegend schwächen würden. Dies zöge dann (weitere) Kriminelle an, wodurch der Kreislauf des städtischen Verfalls weiter verstärkt würde.[1]

Wilson/Kelling begründen mit dieser Lesart von urbanen Strukturen und mit ihnen zusammenhängenden Verhaltensweisen die Notwendigkeit einer möglichst frühzeitigen Intervention durch die betroffene Gemeinschaft selbst, aber vor allem auch durch die Polizei, die sich – so die Autoren – auf ihre ureigene Rolle als Träger und Verteidiger der gemeinschaftlichen Ordnung besinnen sollte. Dazu sei es notwendig bereits nicht-kriminalisierte, niedrigschwellige Devianz durch die Polizei zu untersagen und verdrängen zu lassen.[2] Die Wirksamkeit eines solchen Vorgehens ist bis heute umstritten; insgesamt handelt es sich bei dem von den Autoren propagierten Ansatz damit auch eher

„um ein kriminalpolitisches Programm, das ein sehr frühzeitiges und extrem eingriffsintensives Vorgehen fordert.“[3]

"Die Broken Windows Theorie sollte daher nicht vorrangig als wissenschaftliche Theorie begriffen werden. Sie stellt eher ein ein kriminalpolitisches Programm für früzeitiges und eingriffsintensives Vorgehen dar."[4]


[1] Kunz/Singelnstein Kriminologie, S. 109.
[2] Wilson/Kelling Polizei und Nachbarschaftssicherheit: Zerbrochene Fenster, S. 130 ff..
[3] Kunz/Singelnstein Kriminologie, S. 110.
[4] ebda.


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