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Einführung Soziologische Kriminalitätstheorien@CIDAS4u

2 Die Subkulturtheorie (4/7)

von pixabay.com unter CC0

Im speziellen Kontext der Jugendkriminalität, anhand dessen Cohen die Theorie entwickelte, wird damit vor allem die Kriminalitätsbelastung von Jugendlichen aus sozial schwachen Schichten erklärt. Die dominante Mittelschichtskultur der Gesellschaft suggeriert ihnen mittels eines unrealistischen meritokratischen Ideals gleiche Aufstiegschancen für ihre Anstrengungen, ohne aber die materiellen und ideellen Defizite, die Unterschichtsjugendliche für die Verfolgung der gesellschaftlich vorgegebenen Ziele benötigen, auszugleichen. Die aus dem Scheitern an den gesellschaftlichen Erfolgszielen herrührende Frustration wird in der mit Leidensgenossen gebildeten Subkultur abgemildert. In dieser wird ein deviantes Normensystem gebildet und verfestigt, das als Gegensatz zum herrschenden System der Mittelschicht in Stellung gebracht wird. Gleichzeitig kann der Aggression gegen die Mehrheitsgesellschaft Luft gemacht werden: [1]

„Die Kultur der Bande, an der sich der Junge aus der Unterklasse beteiligt, hat erstens die Funktion, ein System von Statuskriterien zu schaffen, an denen sich der Junge erfolgreich messen kann. Ihre zweite Funktion ist, an den Normen Vergeltung zu üben, unter denen sein Ich zu leiden gehabt hat, indem diese Kultur der Bande „Tugend“ und „Verdienst“ in Kategorien definiert, die den üblichen Normen entgegengesetzt sind.“ [2]

Die Subkulturtheorie von Cohen, wie er selbst eingesteht, hat indessen die Begrenzung, Delinquenz anderer Schichten und Klassen nur unzureichend erklären zu können.[3]Dies liegt vor allem an der starken Unterschichtenfixierung der Theorie. Diese wird abgemildert und das analytische Potential der Theorie gesteigert, wenn man sich vor Augen führt, dass von der Mehrheitsgesellschaft abweichende Normensysteme auch in anderen Schichten auftreten können, etwa im wirtschaftlichen Bereich.


[1] Kunz/Singelnstein Kriminologie, S. 120 f.
[2] Cohen Kriminelle Jugend, S. 127.
[3] Cohen Kriminelle Subkulturen, S. 112.


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